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Mastbruch: Abschluss


Einführung

Prof. Adlkofer stellt zunächst fest, dass der internationale Stand der Forschung sich gegenüber dem Vorjahr kaum verbessert hat. Insbesondere ist die Frage der Auswirkungen der von Basisstationen ausgehenden Strahlung auf die Bevölkerung trotz einiger neuer Studien nach wie vor ungeklärt. Er berichtet über die Ende Mai 2011 erfolgte Einordnung der hochfrequenten Strahlung durch die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der WHO als „möglicherweise krebserregend“. Mit dieser Entscheidung, die auf dem Votum von 30 Wissenschaftlern aus der ganzen Welt beruht und im Wesentlichen mit den Ergebnissen epidemiologischer Forschung bei langjährigen Nutzern von Mobiltelefonen begründet wird, hat sich die IARC über die Meinung anderer nationaler und internationaler Organisationen zum Schutz der Bevölkerung vor dieser Art der Strahlung hinweggesetzt. Dies kommt der Aufforderung an den nationalen und internationalen Strahlenschutz gleich, die Aufgabe im Interesse der Menschen ernster als bisher zu nehmen. Bei der IARC-Abstimmung gab es nur eine Gegenstimme, die ausgerechnet von einem Mitglied der deutschen Strahlenschutzkommission (SSK) kam. Dem Leiter des Ausschusses Nichtionisierende Strahlen der SSK war die Mitarbeit in dem Gremium wegen seiner Industrienähe von Anfang an verweigert worden. Bei dieser Sachlage dürfte sich der deutsche Strahlenschutz zwar nicht das Vertrauen der Bevölkerung, aber umso mehr die Anerkennung der Mobilfunkindustrie erworben haben.

Beim Blick in die Zukunft wagt Prof. Adlkofer die Aussage, dass die jetzige Einordnung der Hochfrequenzstrahlung als „möglicherweise krebserregend“ innerhalb von 10 Jahren von der IARC auf „wahrscheinlich krebserregend“ erweitert werden wird und dass nach weiteren 10 Jahren ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Hochfrequenzstrahlung und Krebs beim Menschen bewiesen sein wird. Natürlich stellt sich bei dieser Sachlage die Frage nach den Konsequenzen für Menschen, die - gleichgültig ob sie zusätzlich das Mobiltelefon benutzen – täglich über 24 Stunden der Strahlung von Basisstationen ausgesetzt sind. Ob krankhafte Veränderungen auftreten, ist zum einen abhängig von der Strahlendosis, die aufgenommen wird, und zum anderen von der individuell sehr unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeit des Menschen, mit dieser Belastung umzugehen. Das Mastbruch-Projekt soll als Pilotprojekt helfen herauszufinden, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um diese Zusammenhänge mit Aussicht auf Erfolg klären zu können. Dass diese Pilotstudie, deren Notwendigkeit außer Frage steht, überhaupt zustande gekommen ist, dafür dankt Prof. Adlkofer der Bürgerinitiative Gegenwelle und insbesondere ihrer Vorsitzenden Frau Ellen Zajonz sowie den Bürgern von Mastbruch, die sich zur Teilnahme an der Untersuchung entschlossen haben.


Ergebnisse

a) Zunahme der Strahlenbelastung zwischen März 2010 und März 2011 (Dr. Voigt)
Vor der Aktivierung des Mastes im März 2010 lagen die Mittelwerte in den Wohnungen ohne Innenquellen (WLAN, DECT) bei 2,7 µW/m2. Im März 2011 waren sie mit 384,0 µW/m2 etwas mehr als 100-mal so hoch. Die Höchstwerte stiegen im gleichen Zeitraum auf 1012 µW/m2 an. In Räumen, in denen WLAN- und/oder DECT-Anlagen aktiv waren, wurden Immissionen von der gleichen Größenordnung wie durch den neuen Mast festgestellt. Während der Nutzung eines Mobiltelefons ist die Exposition der betreffenden Person um ein Vielfaches höher. Nach Aktivierung des UMTS-Anteils der Basisstation, die bis jetzt nicht erfolgt ist, wird die Immission in ihrem Umfeld ebenfalls weiter ansteigen [siehe dazu: Neitzke HP, Voigt H (2011) Pilotstudie zur gesundheitlichen Beeinträchtigung durch die Hochfrequenzstrahlung von Mobilfunk-Basisstationen: Zwischenergebnisse des Mastbruch-Projektes. Teil 1. EMF-Monitor 3/11].

b) Ergebnis der Fragebogenaktion (Prof. Mosgöller)
Die Auswertung der Fragebögen, abgegeben von 96 Personen, die an den beiden Untersuchungen teilnahmen, ergab, dass sich das Befinden der Betroffenen nach Inbetriebnahme der Basisstation signifikant verschlechtert hatte. Dieser Trend ist bei Frauen besonders auffällig. Auffällig ist dabei insbesondere, dass dies vor allem solche Symptome betrifft, wie sie in einer Reihe von Studien mit der von Basisstationen ausgehenden Strahlenbelastung in Verbindung gebracht werden. Aufgrund der Selektion, die bei der Zusammensetzung des Studienkollektivs unvermeidlich war, erscheint es jedoch nicht gerechtfertigt, daraus irgendeine verlässliche Schlussfolgerung zu ziehen.

c) Ergebnis des FRAS-Tests (Prof. Mosgöller)
Mit dem Free Radikal Analytical System (FRAS) können im menschlichen Organismus vorhandene freie Radikale und die antioxidative Kapazität zum Schutz vor freien Radikalen bestimmt werden. In der Pilotstudie beschränkten wir uns auf das Messen der Konzentration freier Radikale, deren Erhöhung nach allgemeiner Auffassung für das Auftreten von Stresssituationen spricht. Das Ergebnis der Auswertung der Messdaten von 70 Personen, die an den beiden Untersuchungen teilnahmen, zeigt weder bei Frauen noch bei Männern eine relevante Veränderung der Konzentration freier Radikale, die Folge der erhöhten Strahlenexposition sein könnte.

Wie bei einer Pilotstudie auch nicht zu erwarten, erlauben die bisherigen Ergebnisse keine Aussage über mögliche gesundheitliche Folgen des Anstiegs der Strahlenbelastung nach Inbetriebsetzung der neuen Basisstation. Festzustellen ist dabei, dass die Zunahme der Strahlungsintensität bisher relativ gering ist. Dies ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass das UMTS-System entgegen der ursprünglichen Ankündigung des Mobilfunkbetreibers noch nicht aktiviert ist.

Der Verlauf der Pilotstudie hat gezeigt, dass die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für eine komplexe Hauptstudie geschaffen werden können. Allerdings bedarf der ursprüngliche Plan zur Erfassung der Strahlenbelastung und ihrer möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung einiger entscheidender Änderungen. So hat sich gezeigt, dass die Strahlenbelastung der einzelnen Studienteilnehmer unabhängig von der Exposition durch die neue Basisstation sehr verschieden ist. Der Grund dafür ergibt sich aus der Tatsache, dass es im täglichen Leben kaum noch strahlenfreie Bereiche gibt und dass deshalb mögliche gesundheitliche Auswirkungen einer Strahlenbelastung keineswegs durch Messung der von einer Basisstation ausgehenden Strahlung erfasst werden können. Dies muss in einer Hauptstudie durch eine entsprechende Änderung des Studienplans berücksichtigt werden.